„Ich schaffe den Weg mit dem Rollstuhl kaum allein“ — der neue Badesteg am Lußsee steht an der falschen Stelle
Aubing-Lochhausen-Langwied · Freiham · Montag, 3. August 2026
Nach Jahren des Wartens ist der barrierefreie Steg fertig. Ausgerechnet die Menschen, für die er gebaut wurde, kommen kaum hin.
Der Steg ist da. Kerstin Müske kommt trotzdem nicht hin.
Seit Juni steht am Nordufer des Lußsees ein rund 30 Meter langer barrierefreier Badesteg — Stahl, sanfte Neigung, Geländer auf beiden Seiten, mehrere Einstiege ins Wasser, dazu kleine Mauern, Wiesenflächen und Bänke. Der Beschluss des Stadtrats, die Münchner Badeseen barrierefrei zugänglich zu machen, stammt aus 2022; am Lußsee wurde im Herbst 2025 gebaut.
Und dann kam die Julisitzung des Bezirksausschusses.
Die Kritik kommt von denen, für die gebaut wurde
Kerstin Müske nutzt einen Rollstuhl. Ihr Urteil über den Standort ist eindeutig: „An dieser Stelle ist der Steg wirklich unsinnig.“ Und der Weg dorthin sei das nächste Problem: „Der Kies ist zu hoch. Ich schaffe den Weg mit dem Rollstuhl kaum allein.“
Klaus Trapp, ehemaliger Seniorenbeirat, hatte schon im Allacher Bezirksausschuss einen Antrag gestellt und ihn in Aubing wiederholt. Seine Liste: Parkplatz und Toiletten zu weit entfernt, der Weg über die Kiesfläche zwischen Parkplatz und Steg schwierig, das Stahlgeländer werde in der Sonne zu heiß, und der Wassereinstieg liege im Schilfgürtel. Sein Fazit fällt hart aus: „Es ist eine Fehlplanung. Als barrierefreier Steg ist das nicht geeignet.“
Im Gremium herrschte Ratlosigkeit — auch deshalb, weil so lange gewartet worden war. Karin Binsteiner: „Seit fünf oder sechs Jahren warten wir auf diesen barrierefreien Zugang. Immer sind wir vertröstet worden, und nun ist der Steg endlich da. Es war wirklich nicht einfach, einen Platz zu finden.“ BA-Vorsitzender Sebastian Kriesel fasste es so: Die Stadt habe es gut gemeint, „aber vieles passt einfach nicht.“
Zwei Wochen später standen alle am Steg
Zum Ortstermin kamen das Baureferat, betroffene Bürgerinnen und Bürger und die BA-Behindertenbeauftragten Laszlo Gabriel (Aubing) und Christian Hacker (Allach). Binsteiners Satz dort fasst die ganze Lage: „Die Anlage ist super schön geworden, aber aus unserer Sicht liegt sie an der falschen Stelle.“
Das Baureferat hielt dagegen — und seine Begründung ist kein Achselzucken:
- Der Auftrag habe gelautet, eine geschützte Stelle zu schaffen, der Eingriff in die Natur sollte minimal bleiben. - Ein Gutachten habe das Sicherheitskonzept bestätigt, der Weg zum Parkplatz sei nicht zu weit. - In unmittelbarer Nähe stehe eine Notrufsäule, gegenüber sei die Wasserwacht. - Und die Alternativen fallen aus: am Kiesstrand ist das Gefälle im Wasser zu groß, im Osten liegt Landschaftsschutzgebiet, im Süden ist das Gelände schwer zugänglich. „Es ist hier der einzig mögliche.“
Ein Satz des Baureferats erklärt womöglich einen Teil des Ärgers: Vielleicht sei der Wasserstand derzeit einfach zu niedrig. Eigentlich solle man mit dem Rollstuhl bis ins Wasser rollen können, dort Auftrieb bekommen und losschwimmen. Wo das nicht funktioniert, bleibt vom barrierefreien Zugang eine schöne Konstruktion über zu flachem Wasser.
Was jetzt konkret geprüft wird
Kriesel trug am Ende die Bitten aus Bürgerschaft und Gremium zusammen:
- Kiesweg und Wassereinstieg verbessern
- Handlauf von außen und innen greifbar gestalten
- Beschattung prüfen
- kleine Stufen montieren
Das ist die ehrliche Version dieses Sommers am Lußsee: Eine Stadt baut nach vier Jahren Vorlauf etwas Gutes und Teures — und die Menschen, für die es gebaut wurde, müssen erklären, warum sie es nicht benutzen können. Dass sie beim Ortstermin gehört wurden, ist der Teil, der Hoffnung macht.
Quellen: - aubinger.online — Barrierefrei ans Wasser? Der neue Badesteg am Lußsee sorgt für Diskussionen
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