Der Antrag, die Tram zu stoppen, ist beantwortet — der Spatenstich war vor zehn Monaten
Am Hart · Feldmoching · Freitag, 7. August 2026
Zwei Jahre und vier Monate nach dem Antrag der ÖDP legt das Mobilitätsreferat die Zahlen vor: Nutzen-Kosten-Verhältnis 2,61, gebaut wird seit Oktober 2025.
Manche Anträge werden nicht abgelehnt, sie werden überholt. Am 25. März 2024 forderte die Fraktion ÖDP/München-Liste (Sonja Haider, Dirk Höpner, Nicola Holtmann, Tobias Ruff), die Planungen für die Tram Münchner Norden einzustellen — die Verlängerung der Linie 23 über Neufreimann zum Kieferngarten und die Linie 24 zwischen Kieferngarten und Am Hart. Stattdessen: ein Expressbus.
Die Begründung war nicht aus der Luft gegriffen. Für die Trassierung in Straßenmittellage müsse die Heidemannstraße samt Sparten neu aufgebaut werden; es müssten mehrere hundert Bäume fallen; neu gepflanzte Bäume zwischen Gleis und Fahrbahn könnten unter den Fahrdrähten nie zu richtigen Bäumen heranwachsen; und der Radverkehr verliere den Grünstreifen, der Kinder vom Autoverkehr abschirmt.
Die Antwort, gut zwei Jahre später
Mobilitätsreferent Georg Dunkel legt die Zahlen der MVG vor: Die Standardisierte Bewertung durch die Intraplan Consult GmbH ergab im Juli 2025 ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 2,61 — ein deutlicher Nutzenüberschuss, Bestandteil des Förderantrags an Bund, Freistaat und Regierung von Oberbayern.
Und dann der Satz, an dem der Antrag zerbricht: „Der erste Spatenstich zum Bau der neuen Tramstrecke fand im Oktober 2025 statt.“
Was gebaut wird
- Abschnitt 1: Verlängerung der Linie 23 ab Schwabing Nord bis zum U-Bahnhof Kieferngarten (U6), sechs Haltestellen. Der Planfeststellungsantrag liegt seit Dezember 2021 bei der Regierung von Oberbayern. - Abschnitt 2: Neubaustrecke zwischen Neufreimann und dem Bahnhof Am Hart (U2), sieben weitere Haltestellen. Am Hart wurde als Endpunkt gewählt, weil es schnell in die Innenstadt umsteigen lässt — und den BMW-Standort anbindet.
Grundsätzlich entschieden hat der Stadtrat das übrigens schon im März 2021, damals zugunsten der Tram 24 statt einer Schnellbusverbindung; der Trassierungsbeschluss folgte am 23. Juli 2025.
Erschlossen wird damit vor allem Neufreimann, das schnell wachsende Viertel auf dem Gelände der früheren Bayernkaserne. Später soll die Tram Lerchenauer Feld dazukommen — vom Hauptbahnhof über Hochschule, Nordbad und Petuelring die nördliche Schleißheimer Straße hinauf, dann in einem „Y“ nach Nordwesten zum Lerchenauer Feld und nach Osten nach Am Hart.
Zwischen Antrag und Antwort liegen zwei Jahre und vier Monate. Der Bagger war schneller.
Quellen: - Rathaus-Umschau — Expressbus statt Tram-Nord: Planungen für Tram in der Heidemannstraße einstellen
Quellen