Seit dem 3. August ist in der Mauerkircherstraße das Gas gesperrt — manche haben nur einen Gasherd
Bogenhausen · Dienstag, 11. August 2026
Bewohner der denkmalgeschützten Häuser 17/19 schildern defekte Gasleitungen und marode Elektrik. Der Bezirksausschuss hat einstimmig Überprüfung und notfalls Ersatzvornahme verlangt; der Vermieter will Elektroherde stellen.
Mauerkircherstraße 17/19: Die Stadtwerke haben das Gas abgedreht
*Bewohner der denkmalgeschützten Häuser haben sich mit einer Mail an das Stadtteilportal unser-bogenhausen gewandt*, überschrieben mit „SOS aus der Mauerkircherstraße 17/19“.
Ihre Schilderung: Die Gasleitungen seien defekt, der Vermieter habe schon vor dem 17. Juli davon gewusst. Am Freitag, 31. Juli, sei die Heizung ausgefallen, kein Warmwasser; die Hausverwaltung habe den Hausmeister geschickt, der nichts habe ausrichten können. Am Montag, 3. August, hätten die Stadtwerke München die Gaszufuhr gesperrt. Manche Mieter hätten nur einen Gasherd und könnten sich seither weder heißes Wasser machen noch waschen noch kochen. Zusätzlich sei die Elektrik marode, teilweise lägen Drähte blank; ein Elektriker habe gesagt: „Ein Funke genügt…“
Der Bezirksausschuss hat am Dienstag, 4. August, einstimmig reagiert. Der Dringlichkeitsantrag von Robert Brannekämper (Landtagsabgeordneter und CSU-Fraktionssprecher im BA) verlangt:
- Die Lokalbaukommission soll Gas- und Elektroinstallation durch Stadtwerke und Branddirektion überprüfen lassen und gegenüber dem Eigentümer die erforderlichen Anordnungen treffen. - Der Vermieter soll Sachverständigennachweise innerhalb einer kurzen Frist vorlegen. - Kommt er der Instandsetzung nicht fristgerecht nach, sollen Zwangsmittel bis hin zur Ersatzvornahme auf seine Kosten eingeleitet werden. - Übergangsweise soll sichergestellt werden, dass die betroffenen Haushalte — ausdrücklich ältere Menschen, Kranke, Familien mit Kleinkindern und Haushalte mit reinem Gasherd — Zugang zu Warmwasser und einer Kochmöglichkeit bekommen. - Die Referate sollen dem BA schriftlich berichten: seit wann die Mängel der Stadt bekannt sind, welche Anordnungen ergangen sind, welche Fristen laufen und wann die Versorgung wiederhergestellt ist.
Brannekämper im Plenum: „Das sind katastrophale Verhältnisse, das ist in einer Stadt wie München kein hinnehmbarer Zustand, sondern eine Frage der Menschenwürde im Alltag.“
Und die Gegenseite kommt zu Wort. Das Portal dokumentiert auch Auszüge aus einem Brief des Vermieters. Darin heißt es, bei einer Überprüfung der Haustechnik seien technische Mängel an den Gasleitungen festgestellt worden; eine Reparatur wäre „nur mit sehr aufwendigen Bauarbeiten, Schmutz und starken Einschränkungen“ verbunden. Man prüfe deshalb, alle verbleibenden Gasherde durch Elektroherde zu ersetzen und die Kosten für Gerät und Anschluss vollständig zu übernehmen. Weil eine behördliche Abschaltung drohe, bat der Vermieter die Mieter um kurzfristige Rückmeldung mit Fotos von Gasherd und Sicherungskasten — bis Freitag, 17. Juli.
Damit stehen zwei Darstellungen nebeneinander, und die Frage, die der Bezirksausschuss stellt, ist die richtige: seit wann weiß die Stadt davon, und welche Fristen laufen.
Das Arabellahaus: 500 Wohnungen, Durchschnittsalter knapp unter 75 — Auszug bis 2030
Der Koloss wird nicht abgerissen, sondern entkernt. Das von 1966 bis 1969 erbaute Arabellahaus — 153 Meter lang, 75 Meter hoch, 20 Meter breit, 23 Stockwerke — soll ab dem zweiten Quartal 2030 „revitalisiert“ und voraussichtlich bis Ende 2034 von Grund auf modernisiert und erweitert werden. Dabei entstehen laut unser-bogenhausen 16.500 Quadratmeter neue Wohnfläche.
Der Teil, der Menschen betrifft: Die Verträge von Mieterinnen und Mietern der Wohnungen, von Praxen und Kliniken, Büros und Geschäften sind inzwischen zum 31. März 2030 aufgelöst worden. Offiziell ist von 500 Wohneinheiten die Rede, mit einem Durchschnittsalter knapp unter 75 Jahren. Ersatzwohnungen würden unter anderem an der Schwanthaler Höhe angeboten — also am anderen Ende der Stadt.
Das ist der ganze Konflikt in einer Zeile: Wer im Schnitt 75 ist und seit Jahrzehnten hier wohnt, für den ist ein Umzug quer durch München kein Wohnungswechsel, sondern der Verlust von Arzt, Apotheke, Bäcker und Nachbarschaft in einem Zug.
Zwei Dinge zum Anschauen
- 👼 Der Friedensengel ist eigentlich keiner. Die tz erzählt die Geschichte des Wahrzeichens: abmontiert, beschädigt, neu vergoldet — und mit einem Detail, das viele Besucher überrascht, nämlich dass die Figur streng genommen gar kein Engel ist. - 📚 Monacensia: Jeden Samstag führt die Münchner Volkshochschule kostenlos durch die Ausstellung „Literatur & Haltung. Rachel Salamanders Archiv“.
Quellen: - Unser Bogenhausen — Mauerkircherstr. 17/19: Leck – Gas gesperrt - Unser Bogenhausen — Arabellahaus: 16 500 m2 neue Wohnfläche - tz — Beliebtes Münchner Wahrzeichen wäre fast abgestürzt – und Name stimmt eigentlich nicht - Wochenanzeiger Bogenhausen — Rachel Salamanders Archiv: Kostenlose Führungen durch Ausstellung - Rathaus-Umschau — 12. August, 12.30 Uhr, Maibaum am Wiener Platz
Quellen