Wenn die Unterführung volllief, zogen die Kinder ihre Badehosen an
Konradviertel · Montag, 17. August 2026
Kurt Langer erinnert sich an die Goethestraße der späten Fünfziger — und daran, wie aus einem Gewitter ein Abenteuer mit Trinkgeld wurde.
Heute reden wir über Regen, weil zu wenig fällt. Kurt Langer erinnert sich an eine Zeit, in der zu viel fiel — und an das, was Kinder daraus machten.
Ein historisches Foto von Hans Fegert aus dem Jahr 1958 zeigt die überflutete Unterführung an der Goethestraße — die spätere Mercedes-Unterführung, heute im Bereich des McDonald's.
„Wir wohnten ab 1959 im ersten Block nach der Unterführung", erzählt Langer. Zog ein Gewitter auf, schauten die Kinder aus der Nachbarschaft gespannt nach: War die Unterführung wieder vollgelaufen? Bei starkem Regen strömte das Wasser von allen Seiten hinein, die Gullys waren schnell überlastet.
Dann zogen die Kinder ihre Arbeitskleidung an — die Badehosen.
Vor allem auswärtige Autofahrer, Busse und Lastwagen unterschätzten die Wassertiefe und blieben stecken. Und dann waren die Kinder zur Stelle: Sie halfen den Gestrandeten, Taschen, Wertgegenstände und Tiere aus den Fahrzeugen ins Trockene zu bringen. „Natürlich gab es dafür manchmal auch ein kleines Trinkgeld", erinnert sich Langer mit einem Augenzwinkern.
Was damals Ärger und Abenteuer zugleich war, ist heute vor allem eines: eine Erinnerung an Wasser, das im Überfluss kam.
Quellen: - in-direkt — Schanzer G’schichtn
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