Zweieinhalb Jahre ohne Chemie- und Physikraum — die Stadt legt offen, woran es lag
Untermenzing · Dienstag, 18. August 2026
An der Carl-Spitzweg-Realschule in Untermenzing begann alles mit einer Brandstiftung in den Sommerferien 2023. Danach kamen Vandalismus auf der Baustelle und ein zweiter Wasserschaden an einer neuen Leitung.
Der Wasserschaden, der die Fachräume der Carl-Spitzweg-Realschule zweieinhalb Jahre lahmgelegt hat, fing mit einer Brandstiftung an. Das steht jetzt zum ersten Mal schwarz auf weiß.
In den Sommerferien 2023 kam es an der städtischen Realschule an der Pfarrer-Grimm-Straße zu einer Brandstiftung. Die Hitze im Chemie-Vorbereitungsraum ließ die Wasserleitung der Augendusche schmelzen — also ausgerechnet die Leitung, die für den Notfall da ist. Vom Wasser betroffen waren sechs Räume im Erdgeschoss (je ein Vorbereitungsraum und ein Fachlehrsaal für Biologie, Physik und Chemie) und sechs im Untergeschoss (zwei Werkräume, drei Klassenzimmer, ein Serverraum).
Warum es dann so lange dauerte, beantwortet Stadtschulrat Florian Kraus auf eine Anfrage der CSU mit FREIE WÄHLER in ungewöhnlicher Offenheit:
- Die Räume gab die Polizei erst im Oktober 2023 frei, Rückbau und Schadensermittlung liefen bis zu den Pfingstferien 2024 — lärmintensives wie der Estrich-Abbruch in den Weihnachtsferien. - Während der Bauausführung kam es wiederholt zu Vandalismusschäden, unter anderem zur mutwilligen Zerstörung von Lüftungsinstallationen. Dazu mehrfacher Terminverzug und mangelhafte Bauausführung bei den Firmen. - Die geplante Übergabe zu den Sommerferien 2025 war deshalb nicht zu halten. - Anfang September 2025 gab es den nächsten Wasserschaden — ein undichter Verbinder an der neu gebauten Anschlussleitung eines Waschbeckens im Werkraum. Bodenaufbau und Gipskartonwände mussten erneut heraus.
Erledigt ist es inzwischen: Die Fachlehrsäle im Erdgeschoss wurden am 24. Februar 2026 übergeben, die Unterrichtsräume im Untergeschoss sind seit 13. April 2026 wieder nutzbar. Die neue Schulleitung hat ebenfalls am 13. April ihren Dienst angetreten; die Stelle war seit dem Ruhestand der Vorgängerin am 31. Juli 2025 vakant und wurde von einem Konrektor in Vertretung geführt.
Bleibt das Sekretariat, und das ist der Teil, in dem die Antwort am meisten verrät. Die Vollzeitstelle mit 39 Wochenstunden war jahrelang auf zwei Personen geteilt — eine davon arbeitete ausschließlich remote, abgesprochen mit der früheren Schulleitung. Sie kündigte zum 31. März 2026. Eine erste Ausschreibung blieb mangels geeigneter Bewerbungen ohne Erfolg; inzwischen verlässt auch die zweite Kraft die Schule. Für die neu ausgeschriebene Vollzeitstelle wurde jemand gefunden, Dienstantritt anvisiert zum 1. Juni 2026.
Zwei Dinge muss man dazu sagen. Erstens: Die Anfrage stammt vom 4. März 2026, die Antwort beschreibt den Stand vom Frühjahr — sie wird erst jetzt, im August, in der Rathaus-Umschau veröffentlicht. Was darin als „anvisiert“ steht, liegt für uns längst in der Vergangenheit. Zweitens: Das Referat hält die Ausstattung mit einer Vollzeitstelle ausdrücklich für sachgerecht, weil sie sich an der Schülerzahl orientiert — eine durchgehende Präsenz bei nur einer Person könne „nicht in Gänze sichergestellt“ werden. Das ist keine Zusage, das ist eine Beschreibung des Zustands.
Quellen