Bei der Telefonseelsorge rufen immer mehr junge Leute an — und viele bräuchten eigentlich einen Therapieplatz
München · Stadtweit · Dienstag, 18. August 2026
Zehntausende Menschen haben sich 2025 an die katholische Telefonseelsorge im Raum München gewandt. Häufigstes Thema: Einsamkeit. Außerdem beantwortet das Rathaus dreimal am selben Tag, warum es kein weiteres Böllerverbot geben kann.
Es gibt eine Nummer in dieser Stadt, die rund um die Uhr abgenommen wird, und wer dort anruft, taucht in keiner Statistik über München auf. Für 2025 gibt es jetzt eine.
Zehntausende Menschen haben sich im vergangenen Jahr an die katholische Telefonseelsorge im Raum München gewandt. Zwei Befunde nennt die Beratungsstelle gegenüber der SZ: Der Anteil junger Menschen in seelischer Not nimmt zu. Und Einsamkeit gehört zu den häufigsten Themen.
Der dritte Satz ist der, an dem man hängenbleibt: Nach Einschätzung der Beratungsstelle bräuchte ein Teil der Anrufenden eigentlich einen Therapieplatz. Sie landen stattdessen am Telefon — nicht, weil das der richtige Ort wäre, sondern weil er erreichbar ist.
Das ist eine sehr lokale Nachricht, auch wenn sie keine Adresse hat. Einsamkeit ist kein Zustand, den man von außen sieht. Sie passiert in Wohnungen, an denen man täglich vorbeigeht.
Dreimal Böllerverbot, dreimal dieselbe Antwort: Wir dürfen nicht
Die Rathaus-Umschau hat an einem Tag gleich drei Antworten zum Jahreswechsel veröffentlicht — auf Anträge von ÖDP/München-Liste, SPD und AfD. Zusammengelesen ergeben sie ein klares Bild.
Die ÖDP wollte das Böllerverbot auf dichtbesiedelte Gebiete außerhalb des Mittleren Rings ausweiten und Feuerwerk in städtischen Grünanlagen untersagen. Kreisverwaltungsreferentin Dr. Hanna Sammüller antwortet: Der Bundesgesetzgeber hat das Silvesterfeuerwerk am 31.12. und 1.1. ausdrücklich erlaubt (§ 23 Abs. 2 Satz 2 der 1. SprengV). Ein Verbot nach § 32 SprengG setzt eine Gefahr voraus, die auf objektive Tatsachen gestützt ist — die lägen derzeit nicht vor. München befasse sich seit 2019 mit der Frage und habe unter anderem an das Bundesinnenministerium geschrieben; die Versuche, den Gesetzgeber zu bewegen, seien bislang erfolglos geblieben.
Die SPD wollte ein Verbot rund um das Tierheim München, nach dem Vorbild Starnbergs. Hier wird die Antwort konkret und für das Tierheim unangenehm: Warum es beim Tierpark Hellabrunn ging, liegt an dokumentierten Schadensfällen — unter anderem zu Tode gekommenen Tieren — und daran, dass rund um den Tierpark regelmäßig geböllert wird. Beim Tierheim sei das wegen seiner räumlich isolierten Lage nicht der Fall. Und: Das Veterinäramt hat die vom Tierheim vorgelegten Aufzeichnungen geprüft und festgestellt, sie seien „so nicht substantiiert genug“, um einen tatsächlichen Schaden oder ein andauerndes Leiden im Sinne der Rechtsprechung nachzuweisen.
Für den Jahreswechsel 2027/2028 will das Referat die Rechtslage erneut prüfen und das Tierheim dafür vorab einbeziehen — mit dem gemeinsamen Ziel einer Dokumentation, die trägt. Ob es schon 2026/2027 anders kommt, hängt an der Bundespolitik: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte angekündigt, das Thema 2026 noch einmal aufzugreifen.
Die AfD schließlich wollte Hinweistafeln und mehr Ordnungskräfte. Antwort: Appelle wirkten an Silvester „in der Regel nur eine sehr begrenzte Wirkung“, für das Stadtgebiet wären weit mehr als tausend Schilder nötig, und Personal wie Budget dafür gibt es nicht. Der Kommunale Außendienst bleibt auf sein Einsatzgebiet rund um den Hauptbahnhof beschränkt.
Das Muster hinter allen dreien: Die Stadt sagt nicht „wollen wir nicht“. Sie sagt „dürfen wir nicht“ — und verweist nach Berlin.
11.736 ungültige Stimmzettel, und 4.561 davon waren einfach leer
Auf eine Anfrage von Stadträtin Dr. Evelyne Menges (CSU mit FREIE WÄHLER) hat das Kreisverwaltungsreferat aufgeschlüsselt, was bei der Stadtratswahl schiefging.
- 11.736 ungültige Stimmzettel — das sind 2 Prozent aller abgegebenen Stimmzettel. - Davon waren 4.561 leer oder Briefwahl-Umschläge ohne Stadtratsstimmzettel. Die übrigen 7.175 verteilen sich auf die anderen Ungültigkeitsgründe: zu viele Stimmen, mehrere gekennzeichnete Kopfleisten, Zusätze oder Vermerke auf dem Zettel, ein nicht zweifelsfrei erkennbarer Wille. - Im Vergleich steht München gut da: bayernweit lag der Anteil bei 2,5 Prozent, in Nürnberg bei 3, in Augsburg bei 2,6, im Landkreis München bei 2,9. Unter den kreisfreien Städten hat München nach Rosenheim den zweitniedrigsten Anteil. - Ungültige Stimmzettel lassen sich keiner Partei zuordnen — erfasst wird nur die Eigenschaft „ungültig“. - Dem Wahlausschuss lagen am 19. März 2026 alle 16.649 beschlussmäßig behandelten Stimmzettel vor.
Zwei Dinge stehen nicht in der Antwort. Die Aufteilung zwischen Brief- und Urnenwahl wird gefragt, aber nicht beziffert. Und dort, wo die Anteile der einzelnen Stadtbezirke stehen sollten, kündigt die Antwort sie an („Hier sind die Anteile:“) — die Tabelle selbst fehlt in der veröffentlichten Fassung. Gesagt wird nur, dass alle Stadtbezirke unter den Werten der anderen bayerischen Großstädte liegen.
Für die Zukunft: Das bei dieser Wahl erprobte digitale Auswertungswerkzeug WES soll ab 2028 bei allen Wahlen und Abstimmungen zur Verfügung stehen.
Die Münchner Wohnen kauft Gas künftig alle zwei Wochen
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft stellt ihre Gasbeschaffung auf ein Tranchenmodell um: Gas wird ab dem Lieferjahr 2027 im Zweiwochenrhythmus und bis zu ein halbes Jahr im Voraus eingekauft. Höhere und niedrigere Preise sollen sich über den Zeitraum ausgleichen; am Ende steht ein stabiler Durchschnittspreis fürs kommende Jahr.
Wen das betrifft: Derzeit werden noch 37 Prozent der fast 75.000 Wohnungen der Münchner Wohnen mit Gas versorgt. Das sind, auf die genannten Zahlen gerechnet, rund 27.000 Wohnungen — und für deren Mieterinnen und Mieter geht es weniger um den Preis als um die Nebenkostenvorauszahlung, die bisher schwankte.
Parallel läuft die Umstellung auf klimaneutrale Wärme weiter, vor allem über Fernwärme und Geothermie.
Morgen tagt der Feriensenat — und hat drei Vorlagen auf dem Tisch
Der Verwaltungs- und Personalausschuss behandelt am Mittwoch, 19. August, als Feriensenat unter anderem:
- ⚽ Die Bewerbung um das Champions-League-Finale 2028. Die Vorlage des Referats für Bildung und Sport (26-32/V01359) sieht vor, dass sich München um die Ausrichtung bewirbt; veranschlagt sind Kosten von knapp 2,4 Millionen Euro. Austragungsort wäre die Allianz Arena, in der bereits 2025 ein Champions-League-Finale stattfand. - 🏠 Die Vergabe städtischer Grundstücke an die Münchner Wohnen. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung schlägt vor, die In-House-Vergabe anzupassen (26-32/V01263). - 🗳️ Die Wahlordnung für den Migrationsbeirat. Das Kreisverwaltungsreferat hat eine Satzung zur Änderung vorgelegt (26-32/V01279).
Und außerdem
- 🗣️ Zehn Élysée-Kitas und spanische Fachkräfte: Auf einen Antrag der Grünen – Rosa Liste – Volt legt Stadtschulrat Florian Kraus dar, wie Mehrsprachigkeit in städtischen Kitas läuft. Grundlage ist der Leitfaden „Mehrsprachigkeit verbindet“ von 2024. Zehn Kitas bieten Französisch-Schnupperkurse; über Personalgewinnungsprojekte kamen in den letzten zehn Jahren etliche spanische Fachkräfte nach München, die ihre Sprache jetzt in den Alltag einbringen. - 🥵 Die CSU-Fraktion verlangt bessere Kühlung in Bussen und Trambahnen und begründet das mit Gesundheitsrisiken in überhitzten Fahrzeugen. Wir hatten am 6. August berichtet, was Stadt und MVG dazu gesagt haben: Die Klimaanlagen in den Bussen sind gar nicht auf mehr Kühlung ausgelegt. Der Antrag trifft also nicht auf eine Einstellungsfrage, sondern auf Technik. - 🌱 Die ÖDP will, dass München 2027 am bundesweiten Wettbewerb „abpflastern“ teilnimmt. Privatpersonen, Vereine und Schulen könnten dann versiegelte Flächen zurückbauen und für die Stadt anrechnen lassen. - 🚗 21 Verstöße in acht Nachtstunden: Die Verkehrspolizei kontrollierte von Samstag, 20 Uhr, bis Sonntag, 4 Uhr, die Szene rund um zum Teil illegales Kfz-Tuning — in der Innenstadt, Maxvorstadt und Schwabing sowie in Neuhausen, am Olympiapark, in Moosach und Milbertshofen. Anlass waren wiederholte Bürgerbeschwerden über Fahrzeuglärm. Darunter sieben Geschwindigkeitsverstöße, eine Fahrt ohne Fahrerlaubnis, ein Fahrzeug mit erloschener Betriebserlaubnis. - 🎵 „A Liad für Bayerns Volksfeste und d'Wiesn“ ist für den Deutschen Radiopreis 2026 in der Kategorie „Bestes Musikformat“ nominiert — ein Wettbewerb, den das Referat für Arbeit und Wirtschaft mit Antenne Bayern entwickelt hat und der 2025 erstmals lief. Gewonnen hat in diesem Jahr die Band Troglauer mit „Bierzelt Legende“; die musikalische Schirmherrschaft hat Michael Fenzl. - 🎓 Die TUM ist im Shanghai-Ranking die bestplatzierte deutsche Hochschule. - 🎭 Die Performerin Ines Hollinger spricht in der SZ über die Sparrunden im städtischen Kulturetat — und versucht, sie auch als Anlass für Veränderung zu begreifen. - 🔋 Der Gestank in einer Tiefgarage kam aus einer Autobatterie. Die Feuerwehr wurde am Freitag, 14. August, um 23.32 Uhr gerufen; die Messgeräte schlugen auf keinen Gefahrstoff an. Ursache war Flüssigkeit, die aus einer Starterbatterie auf heiße Bremsscheiben tropfte — das dabei entstehende Aerosol roch. Fahrzeug raus, Batterie abgeklemmt.
Quellen: - SZ München — Katholische Telefonseelsorge: „Bei uns landen viele, die eigentlich einen Therapieplatz bräuchten“ - Rathaus-Umschau — Ausweitung des Böllerverbots auf dichtbesiedelte Gebiete außerhalb des Mittleren Rings - Rathaus-Umschau — Böllerverbot am Tierheim! - Rathaus-Umschau — Sicher und sauber Silvester feiern, ohne Angst und Ärger - Rathaus-Umschau — Ungültige Stimmen bei der Kommunalwahl - Rathaus-Umschau — Bessere Planbarkeit bei den Heizkosten: Münchner Wohnen führt neues Gasbeschaffungsmodell ein - tz München — Bewerbung für Champions-League-Finale 2028: Entscheidung naht – Stadt München hat bereits Pläne - München Transparent — Wohnen in München Anpassung von In-House-Vergaben städtischer Grundstücke an die Münchner Wohnen GmbH - München Transparent — Satzung zur Änderung der Wahlordnung für den Migrationsbeirat der Landeshauptstadt München - Rathaus-Umschau — „Sprachschätze heben: Mehrsprachigkeit der Erzieher*innen für die Münchner Kindl nutzen“ - tz München — „Menschen sind akut gefährdet“: Was Münchner Politiker in Bus und Tram rasch ändern wollen - tz München — ÖDP will München 2027 zum Meister im Entsiegeln machen - Polizei München — Verkehrspolizei kontrolliert eine Nacht lang die Tuning-Szene: 21 Verstöße - Rathaus-Umschau — „A Liad für d‘Wiesn“ für Deutschen Radiopreis nominiert - TUM — TUM ist beste Universität in Deutschland - SZ München — Performerin Ines Hollinger: „Die Kürzungen können im utopischsten Lichte betrachtet eine Chance sein.“ - Feuerwehr München — Gestank in einer Tiefgarage stammte von einer tropfenden Autobatterie
Quellen
- Katholische Telefonseelsorge: „Bei uns landen viele, die eigentlich einen Therapieplatz bräuchten“
- Ausweitung des Böllerverbots auf dichtbesiedelte Gebiete außerhalb des Mittleren Rings
- Böllerverbot am Tierheim!
- Sicher und sauber Silvester feiern, ohne Angst und Ärger
- Ungültige Stimmen bei der Kommunalwahl
- Bessere Planbarkeit bei den Heizkosten: Münchner Wohnen führt neues Gasbeschaffungsmodell ein
- Bewerbung für Champions-League-Finale 2028: Entscheidung naht – Stadt München hat bereits Pläne
- Wohnen in München Anpassung von In-House-Vergaben städtischer Grundstücke an die Münchner Wohnen GmbH
- Satzung zur Änderung der Wahlordnung für den Migrationsbeirat der Landeshauptstadt München
- „Sprachschätze heben: Mehrsprachigkeit der Erzieher*innen für die Münchner Kindl nutzen“
- „Menschen sind akut gefährdet“: Was Münchner Politiker in Bus und Tram rasch ändern wollen
- ÖDP will München 2027 zum Meister im Entsiegeln machen
- Verkehrspolizei kontrolliert eine Nacht lang die Tuning-Szene: 21 Verstöße
- „A Liad für d‘Wiesn“ für Deutschen Radiopreis nominiert
- TUM ist beste Universität in Deutschland
- Performerin Ines Hollinger: „Die Kürzungen können im utopischsten Lichte betrachtet eine Chance sein.“
- Gestank in einer Tiefgarage stammte von einer tropfenden Autobatterie