„Sie waren lange Zeit die kollektive Hausärztin der Fernsehnation“ — der OB gratuliert Marianne Koch zum 95.
Haidhausen · Mittwoch, 19. August 2026
Der Glückwunsch aus dem Rathaus erzählt eine Biografie mit zwei Berufen: Senkrechtstarterin im Nachkriegsfilm, Staatsexamen mit 43, eigene Praxis, dann Radioärztin.
Es gibt Lebensläufe, bei denen man zweimal hinsieht, weil man denkt, da seien zwei Menschen verwechselt worden.
Oberbürgermeister Dominik Krause gratuliert Dr. Marianne Koch zum bevorstehenden 95. Geburtstag — im Namen des Stadtrats und persönlich. Der Text steht in der Rathaus-Umschau und ist ungewöhnlich lesenswert für ein Gratulationsschreiben.
„Sie waren lange Zeit die kollektive Hausärztin der Fernsehnation“, schreibt Krause. Und dann dreht er die Reihenfolge um und erzählt, was davor kam.
Zwei Lieben, in dieser Reihenfolge
Aufgewachsen in Geiselgasteig, direkt neben den Studios. Das Medizinstudium finanzierte sie mit einem Job im Kopierwerk der Bavaria Filmstudios — der OB nennt das eine Ambivalenz, die sich schöner nicht illustrieren ließe.
Zunächst siegte die Schauspielerei. 1954 stand sie zweimal vor der Kamera, an die sich Krause erinnert: als Partnerin von Gregory Peck im Agentenfilm „Das unsichtbare Netz“ und in „Des Teufels General“ nach Carl Zuckmayer, an der Seite von Curd Jürgens. Drei Jahre später spielte sie die junge Braut von Heinz Rühmann in „Vater sein dagegen sehr“.
Dann kehrte sie zur Medizin zurück — eine Entscheidung, die sie selbst als einen ihrer „Mutanfälle“ bezeichnet hat. Mit 43 Jahren legte sie das Staatsexamen ab und arbeitete in München als Internistin in eigener Praxis.
Und dann kam noch eine dritte Karriere. In einer Lebensphase, „die andere als Renteneintritt definieren“, schrieb sie vielgelesene Gesundheitsratgeber und hatte ihr Comeback im Bayerischen Rundfunk als Radioärztin im „Notizbuch — Gesundheitsgespräch“. Als Schirmherrin engagierte sie sich für die Deutsche Hochdruckliga, die Deutsche Schmerzliga und die Stiftung Allgemeinmedizin.
Ihr Credo, schreibt Krause, laute: Bewegung, gute Ernährung, Neugier und Gemeinschaft ermöglichten ein „Mit Verstand altern“ — so heißt einer ihrer Buchtitel. „Dafür sind Sie selbst der beste Beweis.“
Man kann über Glückwunschschreiben aus Rathäusern sagen, was man will. Dieses hier erzählt von einer Frau, die mit 43 noch einmal von vorn angefangen hat — und das ist eine brauchbare Nachricht für jeden, der findet, es sei zu spät für irgendetwas.
Quellen: - Rathaus-Umschau — Glückwünsche für Dr. Marianne Koch zum Geburtstag
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