Nach dem Schuss auf den 14-Jährigen: rund hundert Menschen demonstrierten, die Gewerkschaft nennt den Rassismusvorwurf eine Frechheit
Schwabing-West · Schwabing · Dienstag, 25. August 2026
Vier Tage, vier Entwicklungen. Grüne und SPD wollen schärfere Regeln für Softair-Waffen, und die Polizei erklärt, warum kein Taser im Spiel war.
Der Fall, über den wir hier am 20. August berichtet haben, ist seither nicht kleiner geworden, sondern hat sich in vier Richtungen aufgefächert. Zur Erinnerung: In Schwabing hatte ein Beamter auf einen 14-Jährigen geschossen, der mit einer täuschend echt aussehenden Softair-Pistole unterwegs war. Passanten hatten die Waffe für echt gehalten und die Polizei alarmiert. Der Jugendliche kam ins Krankenhaus und überlebte. Über den genauen Hergang gibt es weiterhin zwei Darstellungen, und die Ermittlungen dauern an.
Am Samstagabend haben rund hundert Menschen in München gegen den Schuss demonstriert und den Beamten rassistische Polizeigewalt vorgeworfen. Nach Angaben eines Polizeisprechers verlief die Kundgebung vollständig friedlich. Der Vorwurf richtet sich auch darauf, dass der Jugendliche türkischer Staatsangehöriger ist; wir nennen das hier, weil sonst nicht nachvollziehbar wäre, worum der Streit geht.
Darauf hat die Gewerkschaft der Polizei in Bayern geantwortet und die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Landesvorsitzende Florian Leitner warnt vor einer Vorverurteilung der Einsatzkräfte und nennt einen Schusswaffengebrauch eine der schlimmsten Einsatzsituationen überhaupt: Beamte müssten innerhalb von Sekunden entscheiden, welche Gefahr bestehe und wie sie sich selbst, ihre Kollegen und Unbeteiligte schützen könnten.
Im Rathaus zieht der Fall eine dritte Linie. Die Fraktionen von Grünen und SPD fordern schärfere Regeln für Softair-Waffen. In ihrer Mitteilung heißt es, täuschend echt aussehende Spielzeug- und Softairwaffen könnten zu lebensgefährlichen Verwechslungen führen. Adressat ist allerdings nicht die Stadt: Sie soll sich gegenüber Bund und Freistaat sowie über den Deutschen Städtetag dafür einsetzen. Beschlossen ist damit nichts, gefordert schon.
Und viertens die Frage, die viele stellen: Warum kein Taser? Die Polizei hat der SZ dazu Einblicke in ihr Training gegeben.
Quellen: - Merkur: Demo gegen „rassistische Polizeigewalt“ in München – genauer Ablauf des Tatgeschehens weiter unklar - tz München - tz München - Merkur - Merkur - Merkur - SZ München
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