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Der Mann vom Schachplatz an der Münchner Freiheit ist gestorben

München · Stadtweit · Samstag, 29. August 2026

Seine Tochter hat eine Spendenaktion gestartet, die Urne soll in der Ostsee bestattet werden. In derselben Ausgabe steht der Nachruf auf Avremale Litman, einen der letzten, die über die Jahre der Verfolgung berichten konnten.

Ein in der Stadt bekannter Obdachloser, der regelmäßig am Schachplatz an der Münchner Freiheit war, ist gestorben. Seine Urne soll in der Ostsee bestattet werden; seine Tochter hat eine Spendenaktion gestartet.

Es gibt in dieser Stadt eine Handvoll Menschen, die niemand persönlich kennt und viele vom Sehen. Dieser Mann war einer davon. Dass er eine Tochter hat, die jetzt etwas organisiert, ist die Information, die den ganzen Rest umstellt.

Und Avremale Litman ist gestorben

Avremale Litman, Holocaust-Überlebender und Zeitzeuge, ist tot. Als Kind floh er vor den Nationalsozialisten; später gehörte er zu den letzten, die über diese Jahre aus eigener Erinnerung berichten konnten. Die Süddeutsche schreibt in ihrem Nachruf über einen, der seine Fröhlichkeit nie verloren hat.

Die Zahl derer, die es selbst erlebt haben, wird jedes Jahr kleiner, und jeder Nachruf dieser Art ist auch die Meldung, dass eine Auskunft nicht mehr eingeholt werden kann.

85 Fälle Verdacht in der Servicestelle für Zuwanderung

Das Kreisverwaltungsreferat hat auf eine Anfrage aus dem Stadtrat zum Bestechungsskandal in der Servicestelle für Zuwanderung und Einbürgerung geantwortet. Die Zahlen: Nach der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft besteht in 85 Fällen der Verdacht unrechtmäßig erteilter Aufenthaltstitel und Fiktionsbescheinigungen. Der mit den Strafverfolgungsbehörden abgestimmte Rücknahmeprozess läuft; wo Betroffene inzwischen weggezogen sind, wurden die neu zuständigen Ausländerbehörden informiert.

Das Referat stellt zweimal ausdrücklich klar, dass die Einbürgerungsbehörde nicht betroffen war — die Vorwürfe betreffen Vorgänge der Erwerbsmigration. Zur Frage nach den Bearbeitungszeiten fällt die Antwort trocken aus: Der Zusammenhang zwischen bundesweiten Bearbeitungszeiten und unrechtmäßig erteilten Titeln „erschließt sich nicht". Die Bearbeitungszeit für eine Einbürgerung liegt weiterhin bei 18 Monaten und länger, Gründe sind die Komplexität der Unterlagen, Sicherheitsüberprüfungen von derzeit vier bis sechs Monaten und hohe Antragszahlen.

Aufgedeckt wurde der Fall nach Darstellung des Referats durch die eigene Innenrevision, die Anfang 2024 erste Hinweise erlangte und sie an die Antikorruptionsstelle und die Staatsanwaltschaft weitergab.

Zwei Anträge zur Prostitution, zwei Antworten

Im selben Heft stehen zwei Antworten des Kreisverwaltungsreferats auf Anträge der Fraktion ÖDP/München-Liste vom Februar.

Beim Antrag „Opferschutz statt Kriminalisierung" ging es darum, bei Verstößen gegen die Sperrbezirksverordnung nicht vorrangig die in der Prostitution Tätigen zu verfolgen, sondern die Freier. Die Antwort: Eine Bestrafung der Freier ist nach der derzeit herrschenden Rechtsauslegung nicht möglich — die Regierung von Oberbayern sieht sie als „notwendige Beteiligte" nach § 120 OWiG und damit nicht als Täter. Dafür wäre eine Änderung von Bundesrecht nötig. Zur Aufnahme in Ausstiegsprogramme schreibt das Sozialreferat, eine systematische Aufnahme käme „eher einer Sanktionierung gleich"; die Beratungsstellen Mimikry, Jadwiga und Solwodi werden freiwillig aufgesucht.

Beim Antrag „Ausweitung des Sperrbezirks" wird es strukturell interessant. Die Novellierung läuft, entscheiden muss die Regierung von Oberbayern, die Stadt gibt nur eine Empfehlung ab. Und es gibt eine Grenze, die 1982 gezogen wurde: Der Bayerische Verfassungsgerichtshof stellte damals fest, München sei mit der Erweiterung von 3 auf 27 Sperrbezirke „bis an die äußersten Grenzen der Ermächtigungsnorm gegangen", weitere Erweiterungen seien grundsätzlich nur gegen die Freigabe bisher gesperrter Gebiete zulässig. Weil kaum neue Gewerbegebiete entstehen und alte in Wohngebiete umgewandelt werden, fehlen die Ausgleichsflächen. Die Verordnung lässt sich deshalb nicht einfach fortschreiben.

Mehr Arbeitslose, auch mehr Langzeitarbeitslose

Im Agenturbezirk München ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat und gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat zugenommen. Das zweite ist die unangenehmere Hälfte: Ein schwacher August erklärt einen Monatsvergleich, aber keinen Jahresvergleich und keine wachsende Gruppe derer, die lange draußen sind.

Vor der Wiesn

Mehrere Trachtenflohmärkte bieten in diesen Wochen gebrauchte Dirndl und Lederhosen an; die tz hat Termine und Orte zusammengestellt. Die Käfer-Wiesnschänke bekommt in diesem Jahr einen großen Balkon. Und die Abendzeitung listet, wo Frauen auf dem Oktoberfest Hilfe finden, wenn sie sexuell belästigt oder bedrängt werden — Anlaufstellen, die es gibt und die man vorher kennen sollte, nicht erst im Moment.

Am Flughafen

Nach zwei Malaria-Todesfällen unter Beschäftigten des Frankfurter Flughafens hat ein Sprecher des Flughafens München erläutert, wie der Standort auf solche Fälle vorbereitet ist. Und in der SZ schildert eine Apothekerin am Flughafen ihren Arbeitsalltag, von Flugangst über vergessene Windeln bis zur Lieferung ans Gate.

Kultur, kurz

Das Landgericht München I hat einen früheren Chefarzt wegen versuchten Mordes zu einer Haftstrafe verurteilt; er hatte dem neuen Partner seiner früheren Ehefrau in einer Tiefgarage aufgelauert und mehrfach mit einem Cuttermesser auf ihn eingestochen. Das Urteil nahm er im Gerichtssaal an.

Der Percussionist Martin Grubinger ist in diesem Jahr Juror beim ARD-Musikwettbewerb. Die Jazzclubs starten in den September, auf den Programmen von Unterfahrt und Vogler stehen unter anderem JIsr, die Soulsängerin Charlotte Colace und der Improvisationsmusiker Udo Schindler. Das Modelabel Talbot Runhof, das in Obersendling anfing und bis zur Pariser Fashion Week kam, wird im Museum gezeigt. Und der Wochenanzeiger porträtiert eine Leserin und ihre Leidenschaft für bayerische Heimat-Groschenromane.

Und für alle unter 27, die etwas veranstalten wollen

Bei den Tagen der Jugendkulturen vom 26. Oktober bis 1. November können junge Menschen eigene Veranstaltungen umsetzen — Party, Konzert, Poetry Slam, Workshop. Wer eine Idee einreicht, bekommt Unterstützung bei der Umsetzung.

Am Wochenende laufen außerdem Superbloom, das Westparkfest und eine Dinosaurierausstellung parallel.

Quellen: - Abendzeitung München — Von der Straße in die Herzen: Münchens "berühmtester Obdachloser" ist gestorben - Süddeutsche Zeitung — Zum Tod des Holocaust-Überlebenden Avremale Litman: Einer, der seine Fröhlichkeit nie verloren hat - Rathaus-Umschau — Aufenthaltspapiere gegen Bargeld – während Bürger mehr als 18 Monate auf eine Einbürgerung warten müssen? - Rathaus-Umschau — Opferschutz statt Kriminalisierung! - Rathaus-Umschau — Ausweitung des Sperrbezirks! - tz München — Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk München steigt – auch Langzeitarbeitslose deutlich betroffen - tz München — Günstige Dirndl und Lederhosen: Die schönsten Trachtenflohmärkte in München - tz München — Neues Highlight bei der Käfer-Wiesnschänke: „Jetzt kann man über die ganze Wiesn schauen“ - Abendzeitung München — Übergriffe auf der Wiesn: Hier finden Frauen einen Safe Space - tz München — Malaria-Tote in Frankfurt: So schützt sich der Flughafen München – Sprecher äußert sich - Süddeutsche Zeitung — Aus dem Alltag einer Flughafen-Apotheke: „Einen Wunsch nach Viagra stufen wir jetzt nicht als dringenden Fall ein“ - Süddeutsche Zeitung — Landgericht München I: Mordversuch mit Cuttermesser – Haftstrafe für Ex-Chefarzt - Süddeutsche Zeitung — Weltklasse-Percussionist Martin Grubinger: „Das Leben als Schlagzeugsolist kostet sehr viel Energie“ - Süddeutsche Zeitung — Was läuft im Jazz: Was Clubs wie Unterfahrt und Vogler zu bieten haben - Abendzeitung München — Modestadt München: Wie das Designerpaar Johnny Talbot und Adrian Runhof Paris eroberten - Wochenanzeiger — Schwester Cordula liebt Groschenromane! - Mucbook — Neues Festival sucht gute Ideen: Support für Partys, Konzerte und junge Subkultur - tz München — Superbloom, Westparkfest und Dinosaurier – die Events in München am Wochenende

Quellen