In der Wörthstraße in Haidhausen steht seit Ende Mai ein temporäres Quartierzimmer über Fahrradstellplätzen: das ZuHaus. Nachbarn buchen ein Zeitfenster und nutzen vielseitig diesen Raum. Für den Architekten Clemens Hoyer ist es ein Experiment im Maßstab 1:1, und Teil seiner Doktorarbeit an der TU Darmstadt. Das ZuHaus steht noch bis Ende Juli.
> Das ZuHaus ist ein temporäres Quartierzimmer über Fahrradstellplätzen in München-Haidhausen. Im Rahmen eines Reallabors untersuche ich, wie Flächen, die bisher dem ruhenden Verkehr dienen, als gemeinschaftlich nutzbare Räume das Zusammenleben im Quartier bereichern können.
Woher die Idee kam
> Mich hat beschäftigt, dass öffentliche Stellplätze einen großen Teil des Stadtraums einnehmen, aber nur von einem Teil der Bevölkerung genutzt werden. Gleichzeitig fehlen in dichten Stadtquartieren sowohl bezahlbarer Wohnraum als auch gemeinschaftliche Räume.
Wie es funktioniert
Über die Website zuhaus-haidhausen.de buchen Nachbarinnen und Nachbarn ein Zeitfenster und nutzen den Raum ganz unterschiedlich. Eine feste Funktion gibt das ZuHaus bewusst nicht vor.
> Es kann als Arbeitsraum, Treffpunkt, Spielzimmer, Lernort oder einfach als Aufenthaltsraum genutzt werden. Gerade diese Offenheit ist Teil des Experiments: Mich interessiert, welche Nutzungen sich von selbst entwickeln und welche Bedürfnisse im Quartier sichtbar werden.
Was im Viertel passiert
Was Clemens an den ersten Wochen am meisten auffällt, ist, wie selbstverständlich die Menschen den Raum annehmen und eigene Ideen einbringen.
> Genau diese Gespräche und spontanen Begegnungen zeigen, dass ein kleiner zusätzlicher Raum im Quartier neue Formen des Austauschs ermöglichen kann.
Das bestätige die Annahme, dass es nicht nur an Wohnraum, sondern oft auch an gemeinschaftlich nutzbaren Räumen fehle. Besonders berührend sei die Begeisterung von Kindern und Familien.
Was das Experiment herausfinden soll
Das ZuHaus ist kein Selbstzweck, sondern der praktische Teil von Clemens' Doktorarbeit über den Parkraum im Franzosenviertel.
> Ich möchte herausfinden, ob Parkraum mehr sein kann als Verkehrsfläche, nämlich eine räumliche Ressource für die Stadt.
Konkret gehe es um die Frage, ob sich Funktionen des Wohnens teilweise in gemeinschaftliche Quartierräume auslagern lassen und wie sich dadurch Wohnflächen effizienter nutzen ließen. Und darum, welche räumlichen Qualitäten auf der sehr schmalen Grundfläche eines Parkplatzes überhaupt entstehen können.
Was bleibt, wenn es weg ist
> Auch wenn die Installation Ende Juli verschwindet, bleiben die Erfahrungen, die Nutzungsauswertungen und die Gespräche mit den Menschen aus dem Quartier.
Sie bilden die Grundlage für die weitere wissenschaftliche Arbeit, und sollen zeigen, ob und unter welchen Bedingungen solche Quartierzimmer dauerhaft Teil einer Stadtentwicklung werden könnten. Langfristig, sagt er, gehe es darum, neue Möglichkeiten aufzuzeigen, wie unsere Städte mit Flächenknappheit, Wohnraummangel und veränderten Lebensformen umgehen können und vor allem darum, weiterhin sozialen Zugang zur Stadt zu ermöglichen.
Wer das ZuHaus sehen will, sollte sich beeilen. Ende Juli ist Schluss.