Im Nußbaumpark steht seit gestern ein Kameraturm — und nebenan sammelt ein Verein die Spritzen ein
Ludwigsvorstadt · Freitag, 7. August 2026
Die Polizei hat den vierten Videoturm des Bahnhofsviertels in Betrieb genommen. Am Alten Südfriedhof, den die Stadt inzwischen als denselben Raum betrachtet, arbeiten die „Pumpen-Picker“.
Seit gestern, Donnerstag, 6. August, steht im Nußbaumpark ein mobiler Videoturm. Das Polizeipräsidium hat ihn in Betrieb genommen: ferngesteuerte Richt- und Zoomfunktion, eine 360-Grad-Panoramakamera, verschlüsselte Übertragung. Er gehört zum Maßnahmenbündel der Taskforce Bahnhofsviertel; Türme stehen bereits am Alten Botanischen Garten, am Stachus und im südlichen Bahnhofsviertel.
Warum das den Alten Südfriedhof betrifft — die Stadt sagt es selbst
Am selben Tag beantwortet das Kreisverwaltungsreferat eine Anfrage der CSU-Fraktion mit Freien Wählern vom Januar, in der von „unhaltbaren Zuständen“ am Alten Südfriedhof die Rede war. Die Antwort ist ungewöhnlich offen, und sie stellt einen Zusammenhang her, den man sonst selten gedruckt sieht:
Die Polizei schreibt, der Friedhof diene Angehörigen der Betäubungsmittelszene „vorrangig in den Sommermonaten als Konsumort und als Ausweichörtlichkeit vor polizeilichen Kontrollmaßnahmen“ — und dass sich dieser Effekt mit der verstärkten Präsenz rund um das Sendlinger Tor „tendenziell verstärkte“. Wer an einer Stelle drückt, verschiebt.
Das Gesundheitsreferat bestätigt die Beobachtungen und nennt einen Grund beim Namen: Dass hier wie in der ganzen Innenstadt illegale Drogen konsumiert werden, sei „unter anderem auf das Fehlen eines Drogenkonsumraums in München zurückzuführen“. Seit 2024 gingen rund zehn Hinweise und Beschwerden ein. Damit sich niemand an einer gebrauchten Spritze verletzt, hat die Friedhofsverwaltung Abwurfbehälter aufgestellt, 2025 zwei weitere — und mit Condrobs e. V. ein Projekt vereinbart, das den Friedhof regelmäßig abgeht: die „Pumpen-Picker“ sammeln Konsumutensilien ein und entsorgen sie fachgerecht.
Das Campieren, betont die Polizei, sei davon unabhängig zu bewerten: Obdachlose aus Osteuropa errichteten seit Jahren an wechselnden Stellen Matratzen- und Zeltlager; am Südfriedhof war zuletzt der öffentliche Durchgang zwischen Thalkirchner und Pestalozzistraße betroffen, wo am 2. Februar 2026 die letzte Zeltstätte zwangsgeräumt wurde.
Und dann der Satz, der den Kameraturm und den Friedhof zusammenbindet: Weil sie so nah beieinander liegen, sei es „sinnvoll, den Nußbaumpark und den Alten Südfriedhof als miteinander verbundene Bereiche zu betrachten“. Was im Park passiert, wirkt auf den Friedhof — „insbesondere für die Thematik Drogen und Obdachlosigkeit“.
Ein Prozess um das, was auf der Wiesn passiert ist
Am Amtsgericht steht ein 54-Jähriger aus dem Chiemgau vor Gericht: Er soll einer Bedienung im Schottenhamel-Zelt auf der Theresienwiese unter das Dirndl und in den Schritt gegriffen haben. Vor Gericht stellt der Mann sich nach Darstellung der Süddeutschen selbst als Opfer dar. Entschieden ist nichts.
Quellen: - Polizeipräsidium München — Polizei nimmt mobilen Videoturm im Nußbaumpark in Betrieb - Rathaus-Umschau — Zustände am Alten Südfriedhof - Süddeutsche Zeitung — Prozess um sexuelle Belästigung: 54-Jähriger soll Wiesn-Bedienung unters Dirndl gefasst haben
Quellen