Sehr Lokal · München

Heute um 10 Uhr am Frauenplatz: ein Bündnis will einen Ort für die Getöteten

Altstadt · Donnerstag, 13. August 2026

Mädchen- und Frauenverbände, Fachstellen und städtische Töchter übergeben Oberbürgermeister Dominik Krause einen Aufruf für einen Gedenkort gegen Femizide. Ein paar Schritte weiter ist diese Woche der Mann geehrt worden, der Münchens Häuser ihre Geschichte zurückgegeben hat.

Am Donnerstag, 13. August, um 10 Uhr, am Frauenplatz übergibt ein breites Bündnis Oberbürgermeister Dominik Krause einen gemeinsamen Aufruf: München soll einen Gedenk-, Informations- und Aktionsort gegen patriarchale Gewalt und Femizide bekommen.

Hinter dem Aufruf stehen Mädchen- und Frauenverbände, Fachstellen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Münchner Tochtergesellschaften. Initiiert haben ihn der Stadtbund Münchner Frauenverbände, der Runde Tisch gegen Männergewalt, die Gleichstellungsstelle für Frauen und die Stadtratskommission zur Gleichstellung von Frauen.

Der Frauenplatz liegt hinter dem Dom, zwei Minuten vom Marienplatz — ein Ort, an dem sonst Stadtrundfahrten halten. Wer um zehn dort vorbeikommt, wird sehen, wie ein Stück Stadtpolitik anfängt: mit ein paar Menschen, die ein Blatt Papier überreichen.

Der Mann, der 2.000 Seiten über diese Straßen geschrieben hat

Wer wissen will, seit wann es seine Straße gibt und wie sie vorher hieß, landet früher oder später bei Dr. Helmuth Stahleder. Jetzt hat die Stadt ihm eine Dankurkunde überreicht — dazu ein Stadtsiegel aus Bronze, bei einer kleinen Feier im Rathaus.

Stahleder war fast 30 Jahre im Stadtarchiv München, zuletzt als dessen stellvertretender Leiter. Für seine dreibändige „Chronik der Stadt München“ hat er über mehr als 15 Jahre Tausende Dokumente ausgewertet; auf über 2.000 Seiten reicht sie von der Stadtgründung bis 1818. Im ebenfalls dreibändigen „Älteren Häuserbuch der Stadt München“ hat er die Besitzgeschichte sämtlicher Häuser der historischen Altstadt von 1386 bis zur 800-Jahrfeier 1958 dokumentiert.

Stadträtin Gudrun Lux (Die Grünen – Rosa Liste), die die Urkunde in Vertretung des Oberbürgermeisters überreichte, würdigte, dass er „auch zahlreiche Ungenauigkeiten und Fehler der bisherigen Stadtgeschichtsschreibung aufdecken und korrigieren und teils längst vergessene Erinnerungsstücke zum Sprechen bringen“ konnte.

Das ist die stillste Form von Lokaljournalismus, die es gibt — jemand geht 15 Jahre lang in ein Archiv, damit ein Haus in der Altstadt weiß, wer vor 500 Jahren darin gewohnt hat.

Und am Viktualienmarkt

Marktsprecherin Sabine Kroiß hat acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den Viktualienmarkt geführt. Acht Leute, die über einen Platz gehen, den sie zu kennen glaubten — das ist ungefähr die Betriebsgröße, in der das Interessante passiert.

Quellen: - Rathaus-Umschau — 13. August, 10 Uhr, Frauenplatz - Rathaus-Umschau — Stadt-Chronist Dr. Helmuth Stahleder für seine Forschung geehrt - tz — „Hier war ich noch nie“: Sprecherin verrät die schönsten Geheimnisse am Viktualienmarkt

Quellen