Drei Konzertwochenenden waren es, vier dürfen es sein — endlich steht die Zahl hinter dem Streit um den Königsplatz
Maxvorstadt · Altstadt · Dienstag, 18. August 2026
Seit zwei Wochen streiten Museen, Sommertheater und Veranstalter über den Platz. Was der Stadtrat 2025 tatsächlich geändert hat, stand bisher in keiner der Meldungen. Außerdem: Im Wittelsbacher Brunnen steht seit kurzem ein Pumuckl, den niemand angemeldet hat.
Über den Königsplatz haben wir in den vergangenen zwei Wochen dreimal berichtet — am 4. August aus Sicht der Museen, am 11. aus Sicht des Sommertheaters, am 13. aus Sicht der Veranstalter. Was in keiner dieser drei Meldungen stand: was sich eigentlich geändert hat.
Jetzt liegt es vor. Der Stadtrat hat 2025 die Rahmenbedingungen und das Vergabeverfahren für Konzerte am Königsplatz neu gefasst. Statt bisher drei Konzertwochenenden sind in Jahren ohne IAA nun bis zu vier möglich, mit grundsätzlich zwei Veranstaltungstagen je Wochenende. Macht bis zu acht Konzerttage im Sommer — plus der mehrtägigen Sperrungen für Auf- und Abbau, die in dieser Rechnung nicht vorkommen, im Alltag am Platz aber sehr wohl.
Das ist der ganze Streit in einer Zahl. Ein Drittel mehr Wochenenden klingt nach wenig. Für ein Theater, das von Ende Juli bis Mitte September spielt, ist es ein Drittel mehr Zeit, in der nebenan aufgebaut, abgebaut oder gespielt wird.
Die, um die es geht, sind zwei
Die Theaterspiele Glyptothek gibt es seit 36 Jahren. Sven Schöcker steht seit 2013 dort auf der Bühne und leitet das Ensemble seit 2023 gemeinsam mit Alex Novak. Drei Stücke pro Sommer, oft mit Bezug zu den alten Griechen, das Publikum an Tischen, mit Wein, Brot und Käse. „Wir sind ein gesundes Unternehmen, zahlen Steuern, kommen ohne Subventionen aus“, sagt Schöcker.
Sein Einwand ist kein Geschmacksurteil, sondern eine Betriebsrechnung: Absperrungen halten Besucher fern, die Lautstärke übertönt das Stück, und was nach einem Konzertwochenende übrig bleibt, ist je nach Wetter Schlamm oder Staub — samt neuem Rollrasen. Museumsleitungen und Theaterleitung haben deshalb gemeinsam beim Kreisverwaltungsreferat vorgesprochen.
Was hier verhandelt wird, ist eine Frage, die München an mehreren Plätzen hat: Wer bekommt eine Fläche, wie oft — und was gilt der, der seit Jahrzehnten darauf steht, wenn der Kalender voll wird.
Und im Wittelsbacher Brunnen steht jetzt ein Pumuckl
Am Lenbachplatz ist im Wittelsbacher Brunnen seit kurzem eine Pumuckl-Figur aufgetaucht — ohne Ankündigung und ohne Genehmigung, berichtet die SZ und ordnet das als Guerilla-Kunst ein.
Das ist die kleine Schwester der großen Frage von oben: Auch hier hat jemand einen Platz benutzt, ohne zu fragen. Nur ist der Schaden diesmal ein Kobold, der aus dem Wasser steigt.
Wie die Stadt eine Frage zur Polizei beantwortet: gar nicht
Die Linke-Fraktion hatte im Mai gefragt, was bei zwei Schulstreiks gegen die Wehrpflicht passiert ist — am 5. März und am 8. Mai. Ihre Schilderung: Schüler*innen wurden fotografiert, eine Schülerin am Rande der Kundgebung zur Identitätsfeststellung abgeführt, danach Schlagstockeinsatz und mindestens zwei Verletzte.
Die Antwort ist zweigeteilt, und beide Teile sind aufschlussreich.
Das Polizeipräsidium München erklärt, worauf sich die Maßnahmen stützten: Auf beiden Versammlungen wurden Plakate mit der Aufschrift „Merz stirb doch selbst an der Ostfront“ gezeigt. Darin sah die Polizei den Anfangsverdacht der Tatbestände § 188 StGB (gegen Personen des politischen Lebens gerichtete Beleidigung) und § 90b StGB (verfassungsfeindliche Verunglimpfung von Verfassungsorganen). Die Einsatzleitung erteilte am 8. Mai die grundsätzliche Freigabe für strafprozessuale Maßnahmen.
Auf alle weiteren fünf Fragen — ob die Stadt die Einsätze für gerechtfertigt hält, was sie gegen Repression tun will, wie sie die Praxis bewertet, Schüler zurück in die Schule zu bringen — antwortet das Kreisverwaltungsreferat im Kern mit einem Satz, in Varianten: Eine Bewertung polizeilicher Maßnahmen findet durch die Landeshauptstadt München nicht statt. Und ausdrücklich: Die Stadt mache sich die Bewertung der Antragsteller „explizit nicht zu eigen“.
Einen inhaltlichen Punkt macht die Antwort doch, und er ist der interessanteste: Die Versammlungsfreiheit aus Art. 8 GG gelte auch für Schülerinnen und Schüler — kollidiere während der Unterrichtszeit aber mit der Schulpflicht. Schulleitungen könnten im Einzelfall befreien; ohne Befreiung drohen disziplinarische Maßnahmen oder ein Bußgeldverfahren. Deshalb weist das Versammlungsbüro Veranstalter, die sich an Schüler richten, inzwischen auf genau diese Kollision hin.
Was sonst noch im Viertel läuft
🏛️ In der Architekturgalerie im Blumenbunker läuft die Ausstellung „Wechselspiel“ über Planen und Bauen im Wandel. Im Künstlerhaus am Lenbachplatz zeigt Joachim Jung „Zwischen drinnen und draußen“.
🎭 Der Fasching in der Innenstadt: Der Auftritt der Marktfrauen ist gesichert, über den Umzug ist noch nicht entschieden.
⚖️ Vor Gericht steht ein 30-Jähriger, dem versuchter Totschlag vorgeworfen wird. Nach Darstellung der Anklage hatte ein Händler einem Freund des Angeklagten ein Kilogramm Marihuana für 5.000 Euro verkauft und die als minderwertig beanstandete Ware nicht zurückgenommen; bei der folgenden Auseinandersetzung erlitt der Händler einen Stich mit einem Schraubenzieher in die Brust. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
Quellen: - Aubinger.online — „Konzertarena oder Kulturort? Der Streit um den Königsplatz“ - SZ München — Guerilla-Kunst: Pumuckl taucht heimlich auf Münchner Brunnen auf - Rathaus-Umschau — Polizeirepressionen beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht? - SZ München — Was läuft in Architektur und Kunst: Wie geht Bauen heute? - tz München — „Wäre schrecklich gewesen“: Marktfrauen dürfen an Fasching tanzen – doch Umzug steht auf der Kippe - tz München — Mann rammt Dealer Schraubenzieher in die Brust – wegen schlechtem Marihuana
Quellen
- „Konzertarena oder Kulturort? Der Streit um den Königsplatz“
- Guerilla-Kunst: Pumuckl taucht heimlich auf Münchner Brunnen auf
- Polizeirepressionen beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht?
- Was läuft in Architektur und Kunst: Wie geht Bauen heute?
- „Wäre schrecklich gewesen“: Marktfrauen dürfen an Fasching tanzen – doch Umzug steht auf der Kippe
- Mann rammt Dealer Schraubenzieher in die Brust – wegen schlechtem Marihuana